Heintzi berichtet

 

Zum Schluss

 

 

Am Freitag startete der Countdown zu den letzten beiden Tagen dieser vom Gastgeber perfekt organisierten WM! 
Nach der bitteren Niederlage gegen die Sitzvolleyball-Großmacht Bosnien-Herzegowina im Viertelfinale, wollten wir nun beweisen, dass wir hinter dem späteren Weltmeister die Nr. 2 in Europa sind. Dazu galt es, im ersten Platzierungsspiel gegen die starken Ukrainer zu bestehen. Doch das Match begann unsererseits sehr verhalten. Müde wie ein Ameisenbär im Winterschlaf schlichen wir die ersten beiden Sätze übers Feld. Zudem blieben wir mit unseren Angriffsschlägen immer wieder am ''Ost-Block'' hängen. So verdient wie der Aufstieg des 1.FC Köln in die Bundesliga, gingen also die Sätze eins und zwei an den Gegner. Doch wer nun dachte unser Team würde weiter dahin vegetieren, wie ein Stück Aas in der heißen Mittagssonne von Texas, der sah sich nun eines Besseren belehrt! 
Verbissen kämpfend, wie zwei eingeölte Frauen beim Schlamm-Catchen, spielten wir uns wieder zurück in die Partie. Allen voran Christoph Herzog konnte nun mit seinen kraftvollen Angriffsschlägen immer wieder erfolgreich punkten. Nachdem also die Sätze drei und vier Fest in deutscher Hand waren, musste der Tiebreak über Sieg und Niederlage entscheiden. Hier zahlte sich nun die wochenlange Schufterei unter unserem Fitness-Papst ''Tele-Jim'' aus. Konditionell und kräftemäßig hoch überlegen, vernaschten wir nun den Gegner mit unseren perfiden einstudierten Lop-Varianten. Somit gelang am Ende doch noch der lange umkämpfte 3:2 Sieg!! 
Am Abend stand dann noch eine gemeinsame, kurze Trainingseinheit mit unserer Damen-Nationalmannschaft auf dem Programm. Hierbei ist unser ''Mannschafts-Küken'' Mathis Tigler deutlich hervorzuheben: Da er beim weiblichen Geschlecht einen guten Eindruck hinterlassen möchte, verzichtet er auf sein eingeschwitztes Trainingsshirt (das er seit unserer Ankunft in Hennef ununterbrochen zum Training trägt) und gönnt sich ein frisch gewaschenes und nach Perwoll riechendes Oberteil!! 

Somit ging es am Samstag im Spiel um Platz 5 erneut gegen unsere russischen Freunde. 
Noch etwas entkräftet vom harten Match am Vortag, begannen wir eher zurückhaltend und konnten unser schnelles, variables Spiel kaum aufziehen. Deshalb ging der 1. Satz auch verdientermaßen an die Osteuropäer. Doch eine erneut kämpferische Leistung ließ uns im nächsten Spielabschnitt wieder zurückkommen. Ein von unserem Mannschaftsarzt kurzfristig organisierter ''Spezialtrunk'' beflügelte vor allem Heiko Wiesenthal. Vielfältig wie ein Schweizer Taschenmesser zeigte dieser fortan ein großes Repertoire aus seiner jahrelang gepflegten Trickkiste. Schließlich konnten wir diesen Durchgang mit 25:22 für uns entscheiden. Da nun auch die Russen wieder etwas mehr aufs viel zitierte Gaspedal drückten, entwickelte sich ein hoch spannendes Match, bei dem sich keine der beiden Mannschaften entscheidend absetzen konnte. Erst am Ende des Satzes gerieten wir durch zwei starke Blockaktionen des Gegners ins Hintertreffen. Diesen Rückstand konnten wir nicht mehr aufholen, so dass wir mit einem 22:25 den Satzgewinn nur knapp verpassten. 
Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch im 4. Satz ab. Spannung wie bei einem Hitchcock-Thriller eröffnete nun einen offenen Schlagabtausch. Zwar liefen wir ständig einem zwei Punkte Rückstand hinterher, doch diesen konnten wir beim 21:21 egalisieren. Durch einen präzisen Angriffsschlag von Christoph Herzog wehrte unser Team sogar einen Matchball ab. Doch zwei gut vorgetragene Spielvarianten der Russen führten schließlich zum 24:26 und gleichzeitig zur Niederlage des Spiels. 
Zwar etwas traurig, doch auch stolz auf die gezeigten Leistungen, besuchten wir am Abend noch die traditionelle Abschluss-Party aller Spieler. Hierbei sorgte vor allem das Temperament der brasilianischen Damenmannschaft für Aufsehen: ein mitgereister deutscher Fan wirft einer brasilianischen Spielerin das portugiesische Wort ''Beijo'' zu (bitte selbst die Übersetzung googlen). Es dauert nur einen Bruchteil von Sekunden bis sie ihm seinen aufgeforderten Wunsch erfüllt. 

WM-Fazit: 25 Tage lang waren wir nun seit dem 23. Mai gemeinsam unterwegs. Dabei ist die Mannschaft zu einem verschworenen Haufen zusammen gewachsen. Nach unzähligen Stunden voller hartem Training, zahlreichen kräftezehrenden Power-Circlen von unserem allseits beliebten ''Tele-Jim'' und Wochen voller gesunder, sportbewusster Ernährung, stand am Sonntag der Abschied an. Hünenhafte und mit harten Muskeln bepackte Athleten, lagen sich dabei weinend in den Armen. Ein Bild wie bei einem Trauergottesdienst bot sich den emotional mitfiebernden Zuschauern am Flughafen von Danzig. Ein tiefes seelisches Loch wird uns wohl alle in den nächsten Tagen begleiten. Denn war es nicht schön, anstatt morgens alleine aufstehen müssen, von seinem Zimmerpartner mit einem kräftigen Pubser geweckt zu werden?! War es nicht melancholisch statt abends mit der eigenen Frau Hause einzuschlafen, durch das Schnarchen des Zimmerkollegen stundenlang wach im Bett zu liegen!? Und war es nicht traumhaft, statt beim ''großen Geschäft'' auf der Toilette zu Hause immer die Tür schließen zu müssen, hierbei einfach mal die Tür aufzulassen damit man sich auch während Dessen weiterhin mit seinem Zimmerkollegen angeregt über weltpolitische Themen wie z.B. die multisinguläre Propedeutik in der derzeitigen Hochschulpolitik unterhalten konnte!? 
Das alles wird uns fehlen und uns in den nächsten Tagen auf den harten Boden des Alltags zurück kommen lassen... 


Hier noch ein kurzer Auszug von verschiedenen Dingen die wir seit dem 23. Mai gebraucht/verbraucht haben:
 

196 Rollen Klopapier
27 kg Bananen
1240 Liter Schweiß vergossen
687 Liter Mineralwasser
0 Liter Bier
0,5 Liter Spezialtrunk
79 Metaphern für Berichterstattung (vornehmlich aus der Tierwelt)
0x Mc Donalds
 
11 Sixpacks gebildet-seit der Erfindung des Power-Circle
 
1x Videobotschaft gesendet
84,5 kg frisches Gemüse gegessen
 


Ich/ wir möchten uns an dieser Stelle bei den treuen Lesern dieser Seite recht herzlich bedanken!!
 
Auch den extra nach Polen mitgereisten Fans, die uns während der Spiele lautstark unterstützt haben gilt ein großer Dank von der gesamten Mannschaft!!
 

Es waren wunderschöne und ereignisreiche Tage die unvergessen bleiben werden! Mit dem 6. Platz bei der WM haben wir unser Minimalziel erreicht. Doch es gibt noch viel zu tun und wir werden für unser gemeinsames Ziel hart arbeiten-damit es 2016 heißt:
 
''Heintzi berichtet von den Paralympics aus Rio....''